Auf Besuch in Holzendorf - Herrenhaus, Hubertusklause, heute - UckerMarker

- September 2016 -

Herrenhaus, Hubertusklause, heute

Schier unüberschaubare Landwirtschaftsflächen, hier ganz im Nordwesten der Uckermark. Riesige Kornfelder, zu Mohnzeiten von Mohn und Kornblumen gesäumt. Unendlich scheinende, sacht vor sich hinhügelnde Rapsfelder. Nur die kleinen Sölle in den Niederungen durchbrechen mit ihrem Schilfbewuchs das gleichflächige Gelb. Auf der B198 durchqueren wir das ehemalige „sozialistische Musterdorf“ Dedelow. Kurz hinter Dedelow kann man dann, wie zufällig von der B198 in die Hubertusstraße von Holzendorf einbiegen. Man muss das Glück haben, sich hierher zu verirren, mit Vorsatz kommen wenige.

Wir halten sozusagen in Holzendorf Mitte, wo dreimal am Tag ein Bus aus Prenzlau vorbeikommt (ein paar Mal mehr hält ein Bus am Halt Holzendorf B198 und biegt dann lieber nicht noch ins Dorf ab). Auf eigentümliche Weise wirkt der Platz direkt vor dem alten Gut wie der Dorfplatz. Mitten auf dem Platz, auf der Wiese unter den Bäumen, steht ein mit dem Ende der DDR wüst gefallenes Wiegehäuschen, intakt, gelb verputzt, alte Waage hinter großflächigem Fenster. Davor eine alte Beton-Rampe, auf der seinerzeit die futterbeladenen LKWs gewogen werden konnten. Manche vermuten den Mittelpunkt eines Dorfes ja eher an der Kirche als an der Waage.

Ursprünglich war Holzendorf ein klassisches Straßenangerdorf und von der Aufreihung einzelner Bauernhöfe geprägt. Verstärkt nach dem 30jährigen Krieg veränderte sich das Dorfbild komplett, bis im 19. Jahrhundert die letzten vorhandenen Bauernstellen verschwanden, schreibt die Gemeinde Nordwestuckermark. Das Gut wurde Mittelpunkt des Dorfbildes und des sozialen Lebens. Zu Herrschaftszeiten genauso wie zu volkseigenen. „Zu DDR-Zeiten hat der ganze Ort beim Gut gearbeitet“, erzählt uns später denn auch Friedrich-Karl Engel, der heute Ortsvorsteher ist.